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Denkt groß: Wie Schü­ler:in­nen das MAX ge­mein­sam wei­ter­ent­wi­ckeln

Vom 9. bis 11. Sep­tem­ber ent­wi­ckel­ten Schü­ler:in­nen am MAX ei­ge­ne Ideen für bes­se­res Ler­nen, mehr Wohl­be­fin­den und ech­te Mit­ge­stal­tung. Der Rück­blick zeigt den Weg von der ers­ten Be­ob­ach­tung bis zur Aus­wer­tung und war­um die ei­gent­li­che Ar­beit nach dem Hack­a­thon wei­ter­geht.

Drei Tage Schul­hack­a­thon am Max-Wind­mül­ler-Gym­na­si­um Em­den

Wie soll eine Schu­le aus­se­hen, in der Schü­ler:in­nen gut ler­nen, sich wohl­füh­len und Ver­ant­wor­tung über­neh­men kön­nen? Die­se Fra­ge lässt sich nicht al­lein in Kon­fe­ren­zen, Gre­mi­en oder Kon­zept­pa­pie­ren be­ant­wor­ten. Sie muss auch den­je­ni­gen ge­stellt wer­den, die Schu­le je­den Tag er­le­ben.

Der Hack­a­thon be­gann nicht erst im Sep­tem­ber. Am 23. April 2026 durch­lief das Kol­le­gi­um bei ei­nem SchiLf-Tag selbst ei­nen kom­pak­ten Mini-Hack­a­thon. In klei­nen Grup­pen wur­den ers­te Per­spek­ti­ven auf das For­mat, ein mög­li­cher the­ma­ti­scher Rah­men so­wie Rol­len und nächs­te Schrit­te er­ar­bei­tet. Die Er­fah­run­gen aus die­sem Tag flos­sen in die Leit­fra­ge und die wei­te­re Kon­zep­ti­on ein.

In den fol­gen­den Mo­na­ten kon­kre­ti­sier­ten Schul­lei­tung, schu­li­sches Orga-Team und My­Ga­te­kee­per ge­mein­sam die The­men­fel­der, die Grup­pen- und Be­treu­ungs­lo­gik, die Me­tho­den, das Por­tal, die Er­geb­nis­si­che­rung, die Me­di­en­ar­beit und die Nach­be­rei­tung. Der Hack­a­thon wur­de da­mit aus der Schu­le her­aus vor­be­rei­tet und nicht als fer­ti­ges ex­ter­nes For­mat auf­ge­setzt.

Vom 9. bis 11. Sep­tem­ber 2026 wur­de das Max-Wind­mül­ler-Gym­na­si­um in Em­den schließ­lich für drei Tage zu ei­nem gro­ßen Ent­wick­lungs­raum. Schü­ler:in­nen aus den Jahr­gän­gen 5 bis 12 un­ter­such­ten ih­ren Schul­all­tag, sam­mel­ten Per­spek­ti­ven, ent­wi­ckel­ten Ideen und bau­ten ers­te Pro­to­ty­pen. Schü­ler:in­nen des 13. Jahr­gangs be­glei­te­ten den Pro­zess als Peer-Coa­ches. Par­al­lel do­ku­men­tier­te ein schul­ei­ge­nes Re­dak­ti­ons­team die Hack­a­thon-Wo­che.

Die ge­mein­sa­me Leit­fra­ge lau­te­te:

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  • Was braucht das MAX, da­mit du hier bes­ser ler­nen, mit­ge­stal­ten und dich wohl­füh­len kannst?

Sie war be­wusst weit ge­fasst. Die Schü­ler:in­nen soll­ten nicht nur klei­ne Ver­bes­se­run­gen sam­meln, son­dern groß den­ken: Was fehlt im Schul­all­tag? Wel­che Re­geln soll­ten neu be­trach­tet wer­den? Wel­che Räu­me und An­ge­bo­te braucht eine Schu­le, die Ler­nen, Ge­mein­schaft und Mit­ge­stal­tung ernst nimmt? Und was kön­nen Schü­ler:in­nen selbst dazu bei­tra­gen?

Hack­a­thon im In­ter­view

Tag 1: Of­fen den­ken. Ge­mein­sam ge­stal­ten.

Der ers­te Tag be­gann mit ei­nem ge­mein­sa­men Auf­takt. Da­nach ging es nicht so­fort dar­um, mög­lichst schnell eine fer­ti­ge Idee zu prä­sen­tie­ren. Zu­nächst soll­ten die Grup­pen ge­nau­er hin­schau­en: Wel­che Her­aus­for­de­rung wol­len wir be­ar­bei­ten? Wen be­trifft sie? Wel­che Er­fah­run­gen und Per­spek­ti­ven müs­sen wir ein­ho­len?

Die Schü­ler:in­nen be­ob­ach­te­ten ih­ren Schul­all­tag, führ­ten Ge­sprä­che, ent­wi­ckel­ten Fra­gen und re­cher­chier­ten. Ei­ni­ge Grup­pen be­schäf­tig­ten sich mit Lern- und Auf­ent­halts­räu­men, an­de­re mit Be­we­gung, Schul­ver­pfle­gung, Nach­hal­tig­keit, Han­dy­re­geln, Ge­mein­schaft oder Be­tei­li­gungs­mög­lich­kei­ten. Der fünf­te Jahr­gang ar­bei­te­te par­al­lel in ei­nem al­ters­ge­rech­ten Ju­ni­or-Hack­a­thon.

Die­se ers­te Pha­se war ent­schei­dend. Gute Be­tei­li­gung be­ginnt nicht mit ei­ner vor­ge­ge­be­nen Ant­wort, son­dern mit der Mög­lich­keit, ein Pro­blem aus der ei­ge­nen Le­bens­welt zu un­ter­su­chen. Die Schü­ler:in­nen wa­ren des­halb nicht nur Ideen­ge­ber:in­nen. Sie wur­den zu For­schen­den in ih­rer ei­ge­nen Schu­le.

Der ers­te Hack­a­thon-Tag war vor al­lem eins: of­fen, en­er­gie­ge­la­den und krea­tiv. Über den Tag hin­weg such­ten die Schü­ler ak­tiv den Aus­tausch, stell­ten Fra­gen und hol­ten sich Per­spek­ti­ven aus un­ter­schied­li­chen Jahr­gangs­stu­fen ein.

Da­bei geht es nicht nur dar­um, was am Ende ent­steht. Min­des­tens ge­nau­so wich­tig ist das Wie: Pro­ble­me ge­mein­sam ver­ste­hen, Ideen ent­wi­ckeln, Din­ge aus­pro­bie­ren und her­aus­fin­den, wie aus ei­ner Idee tat­säch­lich et­was wer­den kann.

Schon am ers­ten Tag war zu spü­ren, wie viel Mo­ti­va­ti­on, In­ter­es­se und Ein­satz in den Grup­pen steckt und wie viel mög­lich wird, wenn man mit­ein­an­der statt ne­ben­ein­an­der ar­bei­tet.

Tag 2: Ideen wer­den greif­bar

Im Ver­gleich zum ers­ten Tag wur­de die Ar­beit spür­bar fo­kus­sier­ter. Die Ideen wur­den kon­kre­ter, wei­ter­ge­dacht und ent­wi­ckel­ten sich zu über­ra­schend star­ken An­sät­zen mit viel Po­ten­zi­al.

Da­bei stand die Ei­gen­in­itia­ti­ve der Schü­ler:in­nen im Vor­der­grund. Sie er­klär­ten ihre Pro­jek­te und hol­ten von mög­lichst vie­len Quel­len Feed­back ein, um ihre Ideen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und zu schär­fen. Ei­ni­ge Schü­ler:in­nen gin­gen noch ei­nen Schritt wei­ter und nah­men di­rekt Kon­takt zu Un­ter­neh­men auf, die sie als po­ten­zi­el­le Part­ner für die Um­set­zung ih­rer Ideen sa­hen.

Be­son­ders sicht­bar wur­de die Ent­wick­lung bei den ers­ten Pro­to­ty­pen. Die Ideen der Schü­ler:in­nen wan­del­ten sich von schrift­li­chen No­ti­zen zu kon­kre­ten Mo­del­len, die mit Kar­ton, Skiz­zen und in­ter­ak­ti­ven Ele­men­ten um­ge­setzt und ge­tes­tet wur­den.

Da­bei zeig­te sich, wie un­ter­schied­lich Schul­ent­wick­lung aus der Per­spek­ti­ve jun­ger Men­schen aus­se­hen kann. Der Ent­wurf für ein grü­nes Klas­sen­zim­mer ver­bin­det Ler­nen, Auf­ent­halts­qua­li­tät und Nach­hal­tig­keit. Das Kon­zept ei­ner be­weg­ten Pau­se fragt da­nach, wie vor­han­de­ne Flä­chen und An­ge­bo­te künf­tig bes­ser ge­nutzt wer­den kön­nen. Die ge­plan­te Schü­ler­zei­tung „Windsi­des“ könn­te eine dau­er­haf­te Öf­fent­lich­keit für The­men aus der Schü­ler­schaft schaf­fen. Das Pro­jekt „Dei­ne Stim­me. Un­se­re Schu­le.“ schlägt ver­läss­li­che­re Wege vor, über die Schü­ler:in­nen ihre An­lie­gen in schu­li­sche Ent­schei­dun­gen ein­brin­gen kön­nen.

Un­ter­stützt wur­den die Grup­pen von Lehr­kräf­ten, dem schu­li­schen Orga-Team, My­Ga­te­kee­per und den Peer-Coa­ches des 13. Jahr­gangs. Ihre Auf­ga­be be­stand nicht dar­in, Lö­sun­gen vor­zu­ge­ben. Sie hal­fen den Teams da­bei, Fra­gen zu schär­fen, Rück­mel­dun­gen ein­zu­ho­len und aus ei­ner ers­ten Idee ei­nen nach­voll­zieh­ba­ren Vor­schlag zu ent­wi­ckeln.

Tag 3 - Was soll am Max wei­ter­le­ben?

Am drit­ten Tag wur­de aus vie­len ein­zel­nen Ar­beits­pro­zes­sen ein ge­mein­sa­mer Ab­schluss. Ziel war es, die Pro­jek­te ab­zu­schlie­ßen, ver­ständ­lich zu do­ku­men­tie­ren und an­de­ren zu­gäng­lich zu ma­chen. Die Grup­pen be­schrie­ben ihre Her­aus­for­de­rung, hiel­ten Er­kennt­nis­se fest, zeig­ten ihre Lö­sung und for­mu­lier­ten mög­li­che nächs­te Schrit­te. Beim Gal­le­ry Walk konn­ten die Schü­ler:in­nen die Viel­falt der Er­geb­nis­se ent­de­cken, Rück­mel­dun­gen ge­ben und mit­ein­an­der ins Ge­spräch kom­men.

Ins­ge­samt ent­stan­den 189 Pro­jekt­sei­ten. Die Zahl zeigt die Brei­te des Pro­zes­ses. Wich­ti­ger ist je­doch, was da­hin­ter­steht: Jede Sei­te macht eine Per­spek­ti­ve sicht­bar. Sie do­ku­men­tiert, wo­mit sich eine Grup­pe aus­ein­an­der­ge­setzt hat, wel­che Lö­sung sie vor­schlägt und wel­che Un­ter­stüt­zung für die wei­te­re Um­set­zung be­nö­tigt wird.

Die di­gi­ta­le Er­geb­nis­si­che­rung war des­halb kein nach­träg­li­cher Zu­satz. Sie war Teil des Be­tei­li­gungs­pro­zes­ses. Ideen, die nur wäh­rend ei­ner Prä­sen­ta­ti­on zu se­hen sind, kön­nen schnell ver­lo­ren ge­hen. Do­ku­men­tier­te Er­geb­nis­se las­sen sich da­ge­gen aus­wer­ten, bün­deln, ver­glei­chen und in die wei­te­re Schul­ent­wick­lung über­tra­gen.

Mit der Prä­sen­ta­ti­on ist also noch nicht Schluss: Jetzt ent­schei­det sich, wel­che Ideen wei­ter­ver­folgt und tat­säch­lich um­ge­setzt wer­den kön­nen.

Das schul­in­ter­ne Re­dak­ti­ons­team

Den Pro­zess aus Schü­ler:in­nen­per­spek­ti­ve er­zäh­len

Par­al­lel zu den Pro­jekt­grup­pen be­glei­te­te ein schul­in­ter­nes Re­dak­ti­ons­team die drei Tage. An­ge­lei­tet von Becks Na­cke (Gra­fik­de­si­gner bei My­Ga­te­kee­per gUG) führ­ten die Schü­ler:in­nen In­ter­views, hiel­ten Ar­beits­pha­sen und Stim­mun­gen fest und be­rich­te­ten aus ih­rer Per­spek­ti­ve über den Ver­lauf des Hack­a­thons. Sie do­ku­men­tier­ten da­mit nicht nur Er­geb­nis­se, son­dern auch den Weg dort­hin: of­fe­ne Fra­gen, Ver­än­de­run­gen an den Ideen, Zu­sam­men­ar­beit und Er­fah­run­gen aus den Grup­pen.

Wäh­rend des Hack­a­thons hat das Re­dak­ti­ons­team In­ter­views ge­führt. Wenn du dir den Ori­gi­nal Bei­trag auf In­sta­gram an­schau­en willst, dann klick ein­fach auf den Rosa But­ton un­ter dem je­wei­li­gen Bild.

Drei Tage Hack­a­thon am Max - was ist da los? Un­ser Re­dak­ti­ons­team er­klärt, was in die­ser Zeit ei­gent­lich pas­siert und wie der Hack­a­thon ab­läuft.

Jede Men­ge neue Ideen für das Max gab es wäh­rend des Hack­a­thon - un­ser Re­dak­ti­ons­team hat ein paar da­von ein­ge­fan­gen.

Klei­ner Re­cap zum Hack­a­thon - In­ter­views mit Leh­re­rin­nen und Leh­ren wäh­rend der Ar­beits­pha­se.

„Mit­be­stim­mung braucht Ver­bind­lich­keit“

Das Re­dak­ti­ons­team er­brach­te aber nicht nur vi­su­el­le Er­geb­nis­se in Form von Bil­dern oder So­cial-Me­dia Posts, son­dern auch ei­nen Ar­ti­kel, wel­cher die Re­le­vanz pro­jekt­ba­sier­ten Ler­nens und der Durch­füh­rung sol­cher Pro­jekt­ta­ge un­ter­streicht.

Au­tor: Ni­klas Ei­lers / Mit­glied des Re­dak­ti­ons­teams

»Gu-ten Mor-gen Frau Lehr-er-in!« So oder so ähn­lich star­tet wohl jede Un­ter­richts­stun­de in Deutsch­land. Dann Haus­auf­ga­ben­kon­trol­le. Und im An­schluss: Buch, Sei­te 64 Num­mer eins bis drei.

Selbst­ver­ständ­lich ist das ein zy­ni­sches, wenn auch nicht sel­ten zu­tref­fen­des – an­ek­do­ti­sches – Bei­spiel, eine sar­kas­ti­sche Ein­füh­rung, die man als Un­sinn ab­tun könn­te. Doch si­cher ist: Deutsch­lands Schu­len bil­den die Schü­le­rin­nen und Schü­ler nicht in ei­nem solch aus­rei­chen­den Maße aus, das die aber­mals ver­hee­ren­den PISA-Er­geb­nis­se ver­hin­dert hät­te. Je­dem drit­ten Ju­gend­li­chen fehlt es dem­zu­fol­ge an grund­le­gen­den Kom­pe­ten­zen in den Be­rei­chen Le­sen und Ma­the­ma­tik. Je­dem vier­ten in den Na­tur­wis­sen­schaf­ten.

Ur­säch­lich da­für ist je­doch ge­ra­de nicht in ers­ter Li­nie die Un­ter­richts­ge­stal­tung der Lehr­kräf­te, die glück­li­cher­wei­se ge­ra­de an un­se­rer Schu­le mit gro­ßem En­ga­ge­ment für Ver­bes­se­rung zu sor­gen su­chen. Der Ein­stieg soll viel­mehr zei­gen: es liegt am Sys­tem. Deutsch­lands Schul­sys­tem ist ver­al­tet, ein­ge­ros­tet, in die Jah­re ge­kom­men, schlicht nicht mehr zeit­ge­mäß. Wäh­rend es also im All­tag vie­ler Schü­le­rin­nen und Schü­ler nur um Leis­tung und das heiß­hung­ri­ge War­ten auf die nächs­te Pau­se geht, soll­te ge­nau die­se Tris­tesse in den Pro­jekt­ta­gen rund um den „Hack­a­thon“ hier am MAX auf­ge­wir­belt wer­den.

Un­ter der Leit­fra­ge „Was braucht das MAX, da­mit du hier bes­ser ler­nen, mit­ge­stal­ten und dich wohl­füh­len kannst“ ent­wi­ckel­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Jahr­gän­ge fünf bis zwölf die krea­tivs­ten Pro­jekt­ideen für un­se­re Schu­le. Von ei­ner Schü­ler­zei­tung über neue Raum- und Be­grü­nungs­kon­zep­te bis hin zu ei­ner Rut­sche vom 1. Stock zum Schul­hof war al­les da­bei. Und was ein An­ruf bei Mc Do­nald’s da­mit zu tun hat, dazu spä­ter mehr. Wäh­rend der 5. Jahr­gang in ers­ter Li­nie im Rah­men der Klas­sen­ge­mein­schaft ar­bei­te­te, fan­den sich in den an­de­ren Räu­men Grup­pen von Schü­ler*in­nen al­ler Jahr­gän­ge – die Kleins­ten ar­bei­te­ten di­rekt ne­ben den Größ­ten. Der Ab­itur­jahr­gang un­ter­stütz­te hier­bei bei Fra­gen und Pro­ble­men rund um die Pro­jekt­ent­wick­lung.

Ins­ge­samt sorg­ten die mit­un­ter auch viel­fach kri­ti­sier­ten Frei­hei­ten des Hack­a­thons zu­nächst für Über­for­de­rung. Die Idee: Der 13. Jahr­gang und die Lehr­kräf­te soll­ten coa­chend hel­fen, statt für Pro­ble­me di­rekt Lö­sun­gen vor­zu­schla­gen, die Grup­pen mit ge­ziel­ten Fra­gen zu ei­ner mög­li­chen Lö­sung be­glei­ten. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler wa­ren da­bei sehr viel stär­ker auf sich al­lein ge­stellt als üb­lich. Um sich Feed­back ein­zu­ho­len, tum­mel­ten sich so et­li­che Grup­pen auf den Flu­ren, be­frag­ten Mit­schü­le­rin­nen und prä­sen­tier­ten den Lehr­kräf­ten stolz ers­te Ideen. Da­bei schien das Al­ter kei­ne Rol­le mehr zu spie­len, doch manch ei­ner schien so­gar zum ge­bo­re­nen Er­zie­her zu avan­cie­ren. Wenn also 6. Kläss­le­rin­nen den Mut auf­brin­gen, die Ober­stu­fe nach Feed­back oder Un­ter­stüt­zung auf die­sen Flu­ren zu fra­gen und wenn jahr­gangs­über­grei­fend das Ge­fühl zu ent­ste­hen scheint, dass man eine rich­ti­ge Schul­ge­mein­schaft; Zu­sam­men­halt, Aus­tausch und ein Mit­ein­an­der er­lebt, dann ist es viel­leicht so­gar al­lein die Me­tho­dik, das WIE, das die ver­gan­ge­nen Pro­jekt­ta­ge wert­voll ge­macht hat. Es war näm­lich, als wür­de man die Schu­le, das Ge­bäu­de und die Men­schen in ihm neu oder erst so rich­tig ken­nen- und wert­zu­schät­zen ler­nen. Und al­lein das ist doch wohl­tu­end: Kei­ne Spal­tung, son­dern ein aus der ei­ge­nen Kom­fort­zo­ne Kom­men, nach ver­ein­zel­ter Ver­ächt­lich­ma­chung eine At­mo­sphä­re der Selbst­ver­wirk­li­chung. Ob­gleich die­ses sich der „Fil­ter­bla­se“ Ent­zie­hen (auch ab­seits der di­gi­ta­len Welt), nicht ohne Aus­ein­an­der­set­zung und Kon­flikt aus­kommt – ge­ra­de die­ser Rah­men er­mög­licht es doch, wei­te­re Pro­ble­me zu adres­sie­ren. Und so ent­steht eine Kul­tur des Aus­pro­bie­rens, die weit von dem üb­li­chen Schul­all­tag ent­fernt liegt. Si­cher mag nicht al­les ziel­füh­rend und das meis­te in Be­zug auf die PISA-Stu­die über­haupt kei­nen Ein­fluss ha­ben. Aber die­ses Su­chen nach neu­en, even­tu­ell mo­der­ne­ren Lern­me­tho­den und Mög­lich­kei­ten, Schu­le zu ge­stal­ten und zu le­ben, kann durch­aus als wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung an­ge­se­hen wer­den.

Wäh­rend die Frei­hei­ten also zu an­fäng­li­chem Cha­os führ­ten, wan­del­te sich dies am zwei­ten Tag, so­dass am Ende eine po­si­ti­ve Per­spek­ti­ve bleibt. Denn es lohnt sich nichts­des­to­we­ni­ger auch der Blick auf das WAS:

Eine Grup­pe aus dem 7. Jahr­gang mach­te sich auf die Su­che nach Spon­so­ren für ihre Idee ei­ner Schü­ler­zei­tung. Im Rah­men ei­ner AG sol­len die wich­tigs­ten und span­nends­ten Er­eig­nis­se der je­weils ver­gan­ge­nen Wo­chen auf­be­rei­tet und je­den zwei­ten Mo­nat als Zei­tung ver­öf­fent­licht wer­den. Da­für te­le­fo­nier­te man mit di­ver­sen Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on und bat auch die Em­der Zei­tung um Rat.

Als Pro­blem iden­ti­fi­ziert wur­de des Wei­te­ren die ak­tu­el­le Toi­let­ten­si­tua­ti­on. Van­da­lis­mus, eine zum Teil über­bor­den­de Auf­ent­halts­dau­er oder Streit, um nur ei­ni­ge zu nen­nen. Doch wie könn­te man das lö­sen? In der Ver­gan­gen­heit ha­ben wir dazu schon et­li­che An­sät­ze mit­er­le­ben müs­sen. Viel­ver­spre­chend er­scheint im Rah­men der Pro­jekt­ta­ge nun der Blick auf an­de­re Schu­len: Mit ei­nem Chip muss man sich zur Öff­nung der Toi­let­ten­tü­ren „aus­wei­sen“. Durch kon­ti­nu­ier­li­che Kon­trol­len kann dann ein­fa­cher ein­ge­grenzt wer­den, von wem et­wa­ige Schä­den ver­ur­sacht wur­den. So soll der Van­da­lis­mus stark rück­läu­fig und die Toi­let­ten für alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu ei­nem an­ge­neh­me­ren Ort wer­den, den es nicht zu mei­den gilt. Auf je­den Fall eine sehr span­nen­de Idee, mit der man sich durch­aus be­schäf­ti­gen könn­te.

Her­aus­zu­he­ben ist wei­ter­hin das Pro­jekt ei­ner stär­ke­ren Be­grü­nung des Schul­ho­fes. Da­für te­le­fo­nier­te eine an­de­re Grup­pe eben­falls mit re­gio­na­len Un­ter­neh­men vor Ort – die Che­fin von Mc Do­nald‘s soll Geld für Blu­men­saat zu­ge­si­chert ha­ben, soll­te das Pro­jekt vor der Um­set­zung ste­hen.

Zu­letzt sind es auch die Ideen, die im Ver­lau­fe der Tage wie­der ver­wor­fen wur­den, die den Pro­zess der Pro­jekt­ent­wick­lung il­lus­trie­ren: Nach je­der Stun­de Feed­back für je­den Schü­le­rin, um sich ver­bes­sern zu kön­nen oder der Ge­dan­ke, Ge­schlech­ter­un­gleich­hei­ten stär­ker mit­zu­den­ken, schie­nen ent­we­der we­nig rea­lis­tisch oder schei­ter­ten an dar­auf auf­bau­en­den kon­kre­ten Ideen. Ge­nau­so wie eine Rut­sche vom Schul­dach zur Sport­hal­le, um Sport­lehr­kräf­ten wie Frau Ter­möh­len den all­täg­li­chen Weg zur Hal­le zu er­spa­ren – die­ses Pro­jekt wur­de zu­guns­ten der Idee ei­ner Rut­sche dies­mal vom 1. Stock auf den Schul­hof nicht wei­ter­ver­folgt.

Es geht um mehr De­mo­kra­tie und Par­ti­zi­pa­ti­on, die Eta­blie­rung neu­er Lern­me­tho­den, das Bau­en ei­nes Schul­gar­tens und wie so oft – die Han­dy­re­ge­lung. Ab­schlie­ßend aber vor al­lem dar­um, in die Um­set­zung zu kom­men. Jetzt gilt es, das Po­si­ti­ve zu för­dern und das Ne­ga­ti­ve ins Po­si­ti­ve um­zu­keh­ren. Will sa­gen: Nicht durch Her­vor­he­ben und Wie­der­ho­len Pro­ble­me le­dig­lich schil­dern und da­durch er­hö­hen, son­dern den ei­nen an­stren­gen­den Schritt wei­ter­zu­ge­hen und sich zu wa­gen, kon­kret zu ge­stal­ten. Was bleibt ist: Es man­gelt wie im­mer an Geld. Doch die aber­mals de­sas­trö­sen Er­geb­nis­se der PISA-Stu­die zei­gen: Es braucht Ver­än­de­rung. »Die­se Ver­än­de­rungs­pro­zes­se sind kein Sprint, die sind im­mer ein Ma­ra­thon«, schil­dert Herr Held dazu. In der Hoff­nung, dass aus Mit­be­stim­mung nun Ver­pflich­tun­gen er­fol­gen, be­en­den wir den Rück­blick auf die ver­gan­ge­nen Pro­jekt­ta­ge, die trotz ge­spal­te­ner Mei­nun­gen, zu­min­dest neue Mög­lich­kei­ten, In­spi­ra­ti­on und Denk­an­stö­ße auf­ge­zeigt ha­ben dürf­ten.

Was aus 189 Pro­jek­ten wer­den kann

Die Er­geb­nis­se rei­chen von ers­ten Vi­sio­nen bis zu be­reits ver­bind­lich ver­ein­bar­ten nächs­ten Schrit­ten. Bei der in­di­vi­du­el­len Ge­stal­tung und dem Strei­chen von Klas­sen- und Fach­räu­men lie­gen ers­te fes­te Ab­spra­chen mit Fach­lehr­kräf­ten vor. An­de­re Vor­ha­ben – dar­un­ter die ge­plan­te Schü­ler­zei­tung „Windsi­des“ – be­fin­den sich noch in der Kon­zep­ti­ons- oder Ab­stim­mungs­pha­se.

Nicht jede Idee lässt sich so­fort um­set­zen. Man­che Vor­schlä­ge be­nö­ti­gen we­nig Geld und kön­nen ver­gleichs­wei­se schnell er­probt wer­den. An­de­re brau­chen Zu­stän­dig­kei­ten, Part­ner oder eine län­ge­re Pla­nung. Grö­ße­re Vor­ha­ben be­rüh­ren Fra­gen der In­fra­struk­tur, Fi­nan­zie­rung oder schu­li­schen Or­ga­ni­sa­ti­on.

Für die Nach­be­rei­tung wer­den die Er­geb­nis­se des­halb in drei Ebe­nen be­trach­tet

Quick Wins:

Kurz­fris­tig sicht­ba­re Ver­bes­se­run­gen, die mit über­schau­ba­rem Auf­wand mög­lich sind.

Pi­lot­pro­jek­te:

Ideen, die zu­nächst in ei­nem be­grenz­ten Rah­men er­probt und ge­mein­sam aus­ge­wer­tet wer­den.

Schul­ent­wick­lungs- und In­fra­struk­tur­the­men:

Vor­ha­ben, die eine län­ger­fris­ti­ge Pla­nung, zu­sätz­li­che Part­ner oder Ent­schei­dun­gen des Schul­trä­gers be­nö­ti­gen.

Da­bei sol­len kei­ne neu­en Par­al­lel­struk­tu­ren ent­ste­hen. Be­stehen­de schu­li­sche Gre­mi­en und Ar­beits­zu­sam­men­hän­ge (zum Bei­spiel Schü­ler:in­nen­ver­tre­tung, Kli­ma­rat, Ar­beits­ge­mein­schaf­ten, För­der­ver­ein, Schul­so­zi­al­ar­beit und Schul­lei­tung) kön­nen aus­ge­wähl­te Vor­ha­ben auf­neh­men und wei­ter­ent­wi­ckeln. Der Gal­le­ry Walk war da­her nicht das Ende des Hack­a­thons. Er mar­kier­te den Über­gang von der Ideen­pha­se in ei­nen rea­lis­ti­schen Ent­wick­lungs­pro­zess.

Im nächs­ten Schritt wer­den die Pro­jek­te ge­mein­sam mit dem MAX ge­bün­delt und prio­ri­siert. Da­bei geht es nicht dar­um, 189 Ein­zel­pro­jek­te gleich­zei­tig wei­ter­zu­füh­ren. Ziel ist ein über­schau­ba­res Port­fo­lio aus kurz­fris­ti­gen Ver­bes­se­run­gen, ge­eig­ne­ten Pi­lot­vor­ha­ben und län­ger­fris­ti­gen Ent­wick­lungs­the­men. Eben­so wich­tig ist die Rück­mel­dung an die Schü­ler:in­nen: Wel­che Ideen wer­den wei­ter­ver­folgt? Wer über­nimmt Ver­ant­wor­tung? Wel­che Vor­schlä­ge be­nö­ti­gen noch Klä­rung? Und wo gibt es nach­voll­zieh­ba­re Grün­de, war­um eine Um­set­zung zu­nächst nicht mög­lich ist?

Be­tei­li­gung bleibt nur dann glaub­wür­dig, wenn sicht­bar wird, was aus den Er­geb­nis­sen ent­steht. Ge­nau des­halb ge­hört die Nach­be­rei­tung zum Kon­zept des Hack­a­thons – nicht als frei­wil­li­ger Zu­satz, son­dern als ent­schei­den­de nächs­te Pha­se.

Dan­ke an alle Be­tei­lig­ten

Ein schul­wei­ter Hack­a­thon die­ser Grö­ße ge­lingt nur durch ge­mein­sa­me Vor­be­rei­tung und vie­le un­ter­schied­li­che Rol­len. Un­ser Dank gilt den Schü­ler:in­nen, den Peer-Coa­ches, den Lehr­kräf­ten, der Schul­lei­tung, dem schu­li­schen Orga-Team und al­len wei­te­ren Be­tei­lig­ten, die Räu­me ge­öff­net, Grup­pen be­glei­tet, Tech­nik er­mög­licht, Ma­te­ri­al or­ga­ni­siert und Er­geb­nis­se ge­si­chert ha­ben.

Be­son­ders dan­ken wir dem schul­in­ter­nen Re­dak­ti­ons­team. Mit In­ter­views, Be­ob­ach­tun­gen und ei­ge­ner Be­richt­erstat­tung hat es den Hack­a­thon aus der Per­spek­ti­ve der Schü­ler:in­nen do­ku­men­tiert und da­mit ei­nen we­sent­li­chen Teil der ge­mein­sa­men Er­in­ne­rung und Nach­be­rei­tung ge­schaf­fen.

My­Ga­te­kee­per hat den Pro­zess ge­mein­sam mit dem MAX me­tho­disch, or­ga­ni­sa­to­risch, me­di­al und tech­nisch vor­be­rei­tet und be­glei­tet. Un­ser ge­mein­sa­mes Ziel war es, ei­nen ver­läss­li­chen Rah­men zu schaf­fen, in dem Schü­ler:in­nen groß den­ken, Ver­ant­wor­tung über­neh­men und ihre Schu­le kon­kret mit­ge­stal­ten kön­nen.

Sie möch­ten Be­tei­li­gung an Ih­rer Schu­le mit Schul­ent­wick­lung ver­bin­den?

Wir un­ter­stüt­zen Schu­len da­bei, Hack­a­thons und an­de­re Be­tei­li­gungs­for­ma­te so zu pla­nen, dass aus Ideen nach­voll­zieh­ba­re Er­geb­nis­se und rea­lis­ti­sche nächs­te Schrit­te ent­ste­hen.